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Magnetbohrmaschine kaufen: Kaufkriterien für Profis

Eine Magnetbohrmaschine bringt die Bohrmaschine zum Bauteil statt umgekehrt. Starke Elektromagneten im Fuss halten die Maschine auf metallischen Oberflächen fest, während der Kernbohrer arbeitet. Kernbohrmaschinen mit starken Elektromagneten gehören im Stahlbau zur Grundausstattung. Für Bohrungen in Stahlträgern, Profilen und dicken Blechen ist die Magnetbohrmaschine auf der Baustelle die Standardlösung. Bohrungen entstehen dort, wo das Bauteil bereits montiert ist.

Vor dem Kauf einer Magnetbohrmaschine stehen einige technische Fragen. Sechs Kriterien bestimmen, ob die Magnetbohrmaschine zu den vorgesehenen Bohrarbeiten passt. Dieser Überblick geht sie der Reihe nach durch.

Für wen sich eine Magnetbohrmaschine lohnt

Handwerker im Stahlbau, im Anlagenbau und in der Montage bohren Löcher in Stahl überwiegend am eingebauten Bauteil. Eine feste Bohrmaschine steht dafür am falschen Ort, weil sich Träger und Rahmen nicht bewegen lassen. Genau hier setzt die Magnetbohrmaschine an: Die Maschine wird zum Werkstück getragen und dort über starke Elektromagneten fixiert.

Typische Projekte sind Löcher für Verschraubungen an Stahlträgern, Durchbrüche in Profilen, Bohrungen an Geländern sowie Nacharbeiten an bestehenden Konstruktionen. Alles davon fällt bei Projekten in der Metallbearbeitung regelmässig an. Auch in der Werkstatt hat eine Magnetbohrmaschine ihren Platz, sobald Bauteile zu gross oder zu schwer für die Bohrmaschine am Ständer werden. Bei solchen Projekten spielt sie ihre Stärke aus.

Für Handwerker mit gelegentlichen Bohrarbeiten in Metall reicht eine einfache Bohrmaschine mit Ständer. Sobald Bohrungen über 20 mm regelmässig anfallen, führt der Weg zur Magnetbohrmaschine. Für alles darunter genügt die vorhandene Bohrmaschine mit Ständer.

Wie eine Magnetbohrmaschine arbeitet

Der Magnetfuss mit seinen starken Elektromagneten erzeugt eine Haftkraft von mehreren Tausend Newton und fixiert die Maschine am Werkstück. Der Motor der Bohrmaschine treibt über ein Getriebe die Aufnahme der Werkzeuge an, der Vorschub erfolgt beim Bohren über eine Handkurbel an der Schwalbenschwanzführung.

Gebohrt wird überwiegend mit Kernbohrern, also Ringfräsen. Diese Werkzeuge trennen beim Bohren nur einen Ring aus dem Material und lassen in der Mitte einen Kern stehen. Gegenüber einem Spiralbohrer sinkt die nötige Kraft beim Bohren deutlich, was Kernbohrungen bis 100 mm Durchmesser mit einer tragbaren Magnetbohrmaschine überhaupt erst möglich macht.

Definition: Magnet-Kernbohrmaschinen, auch Magnetbohrer oder Magnetkernbohrmaschine genannt, bezeichnen dieselbe Geräteklasse: eine Bohrmaschine mit Elektromagnet im Fuss, ausgelegt für Kernbohrer mit Weldon- oder Quick-In-Schaft.

Die sechs Kaufkriterien im Überblick

Magnetfuss und Haftkraft

Die Haftkraft entscheidet über die Stabilität der Magnetbohrmaschine beim Bohren in Stahl. Übliche Werte für starke Elektromagneten liegen zwischen 8000 und 20000 Newton, gemessen auf einer glatten Platte aus Stahl mit 20 mm Dicke. Zwei Nachteile relativieren diese Angabe im Alltag:

·        Materialstärke: Unter 10 mm Dicke sinkt die Haftkraft spürbar, weil der magnetische Fluss durch das dünne Material nicht vollständig geschlossen wird

·        Oberfläche: Rost, Farbe und Unebenheiten vergrössern den Luftspalt und senken die Haftung beim Bohren

Für Arbeiten an dünnen Blechen unter 6 mm braucht die Magnetbohrmaschine eine Unterlegplatte aus Stahl oder eine mechanische Spannvorrichtung. Auf nichtmagnetischen Materialien wie Aluminium und Edelstahl hält der Magnetfuss überhaupt nicht, dort kommen Vakuumplatten zum Einsatz. Der Halt entsteht ausschliesslich auf metallischen Oberflächen aus Eisen und Stahl.

Bohrdurchmesser und Bohrtiefe

Der angegebene Bereich für den Durchmesser bezieht sich bei jeder Magnetbohrmaschine auf Kernbohrer. Für das Bohren mit Spiralbohrern gilt ein deutlich kleinerer Wert, meist 13 bis 16 mm.

Geräteklasse

Bohrdurchmesser

Schnitttiefe

Typische Projekte

Kompakt

12 bis 35 mm

30 mm

Montage, Geländer, kleine Projekte

Mittelklasse

12 bis 50 mm

50 mm

Stahlbau, Träger, Kernbohrungen

Schwer

bis 100 mm und mehr

50 bis 110 mm

Grosse Kernbohrungen, Schiffbau

Die Schnitttiefe des Kernbohrers muss zur Materialdicke passen. Ein Werkzeug mit 35 mm Schnitttiefe bohrt einen Träger mit 40 mm Flanschdicke nicht in einem Durchgang. Wer regelmässig dicke Materialien in der Metallbearbeitung bohrt, wählt Geräte mit 50 mm Schnitttiefe und entsprechendem Hub.

Motorleistung und Drehzahl

Die Leistung des Motors liegt beim Bohren je nach Klasse zwischen 900 und 1800 Watt. Entscheidender als die reine Leistung in Watt ist die Drehzahl, weil grosse Löcher niedrige Drehzahlen brauchen. Ein Werkzeug mit 50 mm läuft bei rund 150 bis 250 U/min, ein Kernbohrer mit 16 mm dagegen bei 500 bis 700 U/min.

Geräte mit einem Gang decken beim Bohren einen begrenzten Bereich ab. Ein Zweigang-Getriebe oder eine elektronische Regelung erweitern die Bohrleistung über den Bereich deutlich, besonders wenn dieselbe Magnetbohrmaschine für kleine und grosse Löcher gebraucht wird. Die Bohrleistung bleibt so über den ganzen Bereich nutzbar.

Zusatzfunktionen

Diese Ausstattungsmerkmale trennen einfache Geräte von Maschinen für den täglichen Einsatz:

1.      Rechts- und Linkslauf: Voraussetzung für Gewindeschneiden mit der Maschine

2.      Magnetkraftüberwachung: Schaltet den Motor ab, sobald die Haftkraft beim Bohren nachlässt

3.      Kühlmittelbehälter: Integrierte Zuführung durch den Auswerferstift bis an die Schneiden

4.      Sanftanlauf: Verhindert das Verrutschen beim Anlaufen des Motors und schont das Getriebe

5.      Überlastschutz: Schützt Motor und Getriebe bei zu hohem Vorschub

Eigengewicht und Mobilität

Das Gewicht einer Magnetbohrmaschine liegt zwischen 11 kg bei kompakten Geräten und über 25 kg bei schweren Maschinen. Wer viel auf Montage unterwegs ist oder über Kopf bohrt, spürt jedes Kilogramm. Eine Akku-Magnetbohrmaschine bringt zusätzliche Mobilität, weil kein Kabel und kein Generator nötig sind. Diese Flexibilität und die Mobilität zahlen sich bei Projekten im Freien aus. Die Leistung des Motors fällt gegenüber Netzgeräten allerdings geringer aus, und die Elektromagneten ziehen dauerhaft Strom aus dem Akku. Dieser Nachteil relativiert die Mobilität bei langen Einsätzen.

Vergleich mit anderen Bohrmaschinen

Der Vergleich mit einer Ständerbohrmaschine zeigt die Stärken und Grenzen beider Bauarten.

Kriterium

Magnetbohrmaschine

Ständerbohrmaschine

Einsatz

am Bauteil, auch senkrecht und über Kopf

fest in der Werkstatt

Werkstückgrösse

unbegrenzt

begrenzt durch Tisch und Ausladung

Präzision der Lage

abhängig vom Anriss

hoch, mit Anschlägen wiederholbar

Löcher

bis 100 mm mit Kernbohrer

meist bis 25 mm

Nachteile

Gewicht, Abhängigkeit vom Material

Werkstück muss zur Maschine

Die Präzision beim Bohren in Metall hängt bei der Magnetbohrmaschine an der Vorbereitung. Wer den Anriss sauber körnt und die Maschine exakt ausrichtet, erreicht mit dem Kernbohrer Bohrungen mit engen Toleranzen. Die Führung arbeitet spielfrei und mit hoher Präzision, sofern sie regelmässig nachgestellt wird.

Ein zweiter Vergleich betrifft die Effizienz beim Bohren. Ein Loch mit 30 mm Durchmesser in 20 mm Stahl dauert mit dem Kernbohrer etwa eine halbe Minute, mit einem Spiralbohrer über mehrere Stufen ein Vielfaches davon. Bei mehreren Löchern je Bauteil summiert sich dieser Vorsprung über die Projekte schnell.

Vergleich der Geräteklassen

Kriterium

Kompaktgerät

Profigerät

Leistung

900 bis 1200 W

1200 bis 1800 W

Haftkraft

rund 8000 bis 12000 N

12000 bis 20000 N

Drehzahl

ein Gang

zwei Gänge oder Regelung

Eigengewicht

11 bis 15 kg

15 bis 25 kg

Preis

niedriger

höher, dafür bessere Qualität

Nachteile

begrenzter Bohrbereich

Gewicht bei Montage

Für gelegentliche Arbeiten in der Metallbearbeitung genügt eine kompakte Bohrmaschine mit Magnetfuss. Bei täglichen Kernbohrungen im Stahlbau rechnet sich die höhere Qualität einer Profimaschine, weil Getriebe und Motor die Dauerbelastung besser aushalten. Der höhere Preis verteilt sich über die Projekte der ersten Monate.

Materialien und Einsatzgrenzen

Magnet-Kernbohrmaschinen sind für Materialien mit ferromagnetischen Eigenschaften gebaut. In der Praxis heisst das Stahl in allen Formen: Träger, Bleche, Rohre und Profile. Andere Materialien bleiben aussen vor.

·        Baustahl ab 10 mm: Volle Haftkraft der Magnetbohrmaschine, Standardfall beim Bohren

·        Baustahl 6 bis 10 mm: Reduzierte Haftkraft, zusätzliche Sicherung nötig

·        Edelstahl und Aluminium: Kein Halt über die Elektromagneten, Spannvorrichtung erforderlich

·        Holz und Kunststoff: Für diese Materialien ist die Bauart nicht vorgesehen

Das Bohren auf gekrümmten Oberflächen, etwa an Rohren, verlangt einen Fuss mit Prismenauflage oder eine Kettenspannvorrichtung. Einige Magnetbohrer lassen sich damit nachrüsten, bei anderen Produkten ist dieses Zubehör ab Werk erhältlich. Ein Magnetbohrer für den Rohrleitungsbau bringt es meist mit. Wer regelmässig an Rohren bohrt, prüft dieses Thema vor der Auswahl der Maschine.

Bei senkrechten Oberflächen und Arbeiten über Kopf gehört eine Sicherungskette zu jeder Magnetbohrmaschine. Fällt der Strom aus, verlieren die Elektromagneten sofort ihre Kraft, und die Maschine löst sich von der Oberfläche.

Preis und Qualität

Der Preis für eine Magnetbohrmaschine bewegt sich in einem weiten Rahmen. Einfache Geräte beginnen im unteren dreistelligen Bereich, Maschinen für den täglichen Einsatz liegen deutlich darüber. Diese Spanne erklärt sich über drei Punkte:

·        Getriebe: Zahnräder aus gehärtetem Metall statt aus Kunststoff halten der Dauerbelastung stand

·        Führung: Eine nachstellbare Schwalbenschwanzführung bleibt über Jahre spielfrei

·        Elektronik: Magnetkraftüberwachung, Sanftanlauf und Überlastschutz erhöhen die Sicherheit beim Bohren

Experten aus dem Stahlbau achten deshalb weniger auf die maximale Leistung des Motors als auf die Qualität von Getriebe und Führung. Im Vergleich mehrerer Produkte lohnt der Blick auf das Eigengewicht: Ein höherer Wert deutet meist auf ein stabileres Gehäuse und ein solideres Getriebe hin.

Sicherheit und Zubehör

Zur Grundausstattung gehören neben der Maschine passende Werkzeuge im gebrauchten Bereich, Ersatz-Auswerferstifte, Kühlschmierstoff und die Sicherungskette. Diese Produkte werden zusammen mit der Maschine bestellt. Beim Bohren mit Spänen aus Metall ist eine Schutzbrille nach den gängigen Normen für Augenschutz unverzichtbar, weil die Ringspäne lang und scharfkantig ausfallen.

Wie Drehzahl und Vorschub beim Bohren am konkreten Werkzeug zusammenspielen, beschreibt der Ratgeber zum Einsatz von Kernbohrern.

Häufige Fragen zur Magnetbohrmaschine

Vor dem Kauf tauchen immer wieder dieselben Fragen auf.

Wie dick müssen die Materialien mindestens sein? Für die volle Haftkraft gelten 10 bis 12 mm als Richtwert. Darunter arbeitet die Maschine mit Einschränkungen und braucht eine zusätzliche Sicherung.

Lassen sich normale Spiralbohrer zum Bohren verwenden? Ja, mit einem Bohrfutter am Morsekegel oder über einen Adapter an der Weldon-Aufnahme. Der Durchmesser liegt dabei deutlich unter dem Wert für Kernbohrungen, üblich sind 13 bis 16 mm.

Kann eine Magnetbohrmaschine Gewinde schneiden? Geräte mit Linkslauf und niedriger Drehzahl eignen sich für das Gewindeschneiden. Ein Gewindeschneidfutter mit Längenausgleich gehört zur Ausstattung.

Was passiert bei Stromausfall? Die Maschine verliert ihre Haftkraft. Auf senkrechten Flächen und über Kopf ist die Sicherungskette deshalb Pflicht, nicht optional.

Lohnt sich ein Akku-Gerät? Für Montagearbeiten ohne Stromanschluss ja. Bei grossen Durchmessern und langen Einsätzen bleibt das Netzgerät die zuverlässigere Wahl.

Wie viel Platz braucht die Bohrmaschine rund um die Löcher? Der Magnetfuss misst je nach Gerät rund 80 x 160 mm bis 100 x 200 mm. Diese Fläche muss auf den Materialien eben aufliegen, was beim Bohren nahe an einer Kante zum Thema wird.

Lässt sich damit auch in Holz bohren? Die Bauart ist für Metall gedacht. In Holz fehlt dem Magneten der Halt, hier bleibt die klassische Bohrmaschine die richtige Lösung.

Wie lange hält ein Kernbohrer? Das hängt von Material, Kühlung und Drehzahl ab. In Stahl sind mehrere Hundert Kernbohrungen realistisch, in Edelstahl deutlich weniger. Ein Magnetbohrer arbeitet nur so gut wie die eingesetzten Werkzeuge.

Braucht es Fachwissen für den ersten Einsatz? Alles Nötige ist in einer Viertelstunde erlernt. Experten empfehlen, die ersten Bohrungen an einem Reststück aus Stahl zu üben, bevor am Bauteil gearbeitet wird.

Checkliste für die Auswahl

Diese Fragen gehören vor dem Kauf geklärt. Sie lassen sich in wenigen Minuten beantworten und führen zur passenden Maschine:

6.      Welcher Durchmesser wird beim Bohren höchstens gebraucht, und reicht der Bereich der Maschine dafür aus

7.      Wie dick sind die Materialien im Einsatz, und passt die Schnitttiefe der Kernbohrer dazu

8.      Werden Bohrungen überwiegend in der Werkstatt oder bei Metallarbeiten auf Montage gebohrt

9.      Sollen an derselben Maschine auch Gewinde geschnitten werden

10.   Welche Qualität ist bei der Zahl der Projekte angemessen, und welche Auswahl an Produkten kommt dafür infrage

Im Vergleich mehrerer Geräte lohnt es sich, diese sechs Antworten nebeneinanderzulegen. Der Vergleich der Kernbohrmaschinen wird damit deutlich einfacher. In den meisten Fällen fallen dabei zwei bis drei Magnetbohrmaschinen in die engere Wahl, zwischen denen dann Preis und Gewicht entscheiden.

Die passende Magnetbohrmaschine auswählen

Die Wahl fällt über drei Fragen: Welcher Durchmesser wird höchstens gebohrt, wie dick sind die Materialien, und wie oft wechselt der Einsatzort. Aus den Antworten ergeben sich Bereich, Haftkraft und die sinnvolle Obergrenze für das Gewicht der Magnetbohrmaschine.

Für die meisten Betriebe im Handwerk trifft eine Magnetbohrmaschine der Mittelklasse den Bedarf: Bereich bis 50 mm, zwei Drehzahlstufen, Weldon-Aufnahme und rund 15 kg. Damit ist alles abgedeckt, was im Stahlbau anfällt. Passende Kernbohrer, Werkzeuge und Zubehör für die Auswahl finden sich in der Kategorie Schneid- und Trennwerkzeug.