in 1-3 Tagen bei Ihnen | 30 Tage Rückgaberecht

Arbeitshandschuhe, Schnittschutzhandschuhe und Schutzkleidung: Auswahl nach Tätigkeit und Gefährdung

Handverletzungen zählen in Industrie, Handwerk und Bau zu den häufigsten Arbeitsunfällen – und Handschutz ist entsprechend eine der am weitesten verbreiteten Formen persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Trotzdem wird die Auswahl in der Praxis oft nach Verfügbarkeit statt nach Gefährdung getroffen: ein Komfort-Handschuh für Montagearbeiten dort, wo eigentlich Schnittschutz gefragt wäre, oder ein Einweg-Schutzanzug ohne Blick auf die tatsächliche Schutzklasse. Dieser Beitrag ordnet Arbeitshandschuhe, Schnittschutzhandschuhe und Einweg-Schutzkleidung nach Einsatzzweck ein, erklärt die Kennzeichnung nach EN 388 und zeigt, wo die Grenzen dieser Schutzausrüstung liegen. Augenschutz und schweissspezifische PSA werden hier bewusst nur am Rande behandelt – dazu bestehen bereits eigene, ausführliche Ratgeber zu Schutzbrillen-Normen und zum Schweisserhelm mit Automatik-Filter, auf die weiter unten im passenden Zusammenhang verwiesen wird.

Erster Schritt: Gefährdungsbeurteilung statt Bauchgefühl

Welcher Handschutz notwendig ist, ergibt sich nicht aus persönlicher Vorliebe, sondern aus der Gefährdungsbeurteilung der jeweiligen Tätigkeit: Womit wird gearbeitet, welche Kanten, Werkzeuge oder Materialien sind im Spiel, und welche Verletzungsart droht im Ernstfall? Erst danach lässt sich entscheiden, ob ein einfacher Grip-Handschuh ausreicht oder ob ein zertifizierter Schnittschutzhandschuh notwendig ist. Diese Reihenfolge – zuerst Gefährdung, dann Produktauswahl – ist auch deshalb wichtig, weil PSA ihre Wirkung nur bei korrekter Zuordnung zur tatsächlichen Gefahr entfaltet; ein falsch gewählter Handschuh gibt ein trügerisches Sicherheitsgefühl, ohne tatsächlich zu schützen.

Handschutz wird grob nach der Art der Gefährdung unterschieden: mechanische Risiken wie Schnitt, Abrieb, Durchstich und Weiterreissen (Thema dieses Beitrags), thermische Risiken wie Hitze und Funkenflug (relevant beim Schweissen), sowie chemische und biologische Risiken, die eigene Handschuhmaterialien und Schutzanzug-Kategorien erfordern. Für jede dieser Kategorien gibt es eigene europäische Normen; ein Handschuh, der gegen mechanische Risiken zertifiziert ist, macht damit keine Aussage über seine Beständigkeit gegen Hitze oder Chemikalien und umgekehrt.

Arbeitshandschuhe für Grip und Fingerfertigkeit

Für Montage-, Handwerks- und allgemeine Werkstattarbeiten ohne erhöhtes Schnitt- oder Stichrisiko genügt häufig ein beschichteter Arbeitshandschuh, der vor allem Grip, Tastgefühl und Tragekomfort liefert. Die Arbeitshandschuhe Powergrip sind ein Beispiel für diese Kategorie: nahtlos gestrickt aus Nylon, mit einer Nitril-Mikroschaumbeschichtung auf der Handfläche für Grip und Atmungsaktivität, laut Hersteller silikonfrei und bis 40 °C waschbar. Der Hersteller weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass diese Handschuhe nicht flüssigkeitsdicht und damit nicht für den Umgang mit Flüssigkeiten geeignet sind – ein Hinweis, der bei der Tätigkeitszuordnung ernst zu nehmen ist. Eine spezifische Schnittschutz-Norm wird für dieses Produkt herstellerseitig nicht ausgewiesen; es ist als allgemeiner Komfort- und Grip-Handschuh positioniert, nicht als zertifizierter Schnittschutzhandschuh. Solche Handschuhe werden in der Praxis vor allem deshalb geschätzt, weil sie über eine ganze Schicht getragen werden können, ohne die Fingerfertigkeit spürbar einzuschränken – ein Aspekt, der bei der PSA-Auswahl nicht zu unterschätzen ist: Ein Handschuh, der aus Komfortgründen abgelegt wird, schützt überhaupt nicht mehr.

EN 388:2016 – Kennzeichnung von Schnittschutzhandschuhen verstehen

Sobald bei einer Tätigkeit ein reales Schnittrisiko besteht – etwa beim Umgang mit Blechen, scharfkantigen Bauteilen oder in der Metallverarbeitung –, braucht es einen Handschuh mit nachgewiesenem Schutz gegen mechanische Risiken nach EN 388. Die Norm prüft vier Eigenschaften und kennzeichnet sie durch vier Ziffern direkt neben einem Hammer-Piktogramm auf dem Handschuh beziehungsweise seiner Verpackung:

  • 1. Ziffer – Abriebfestigkeit
  • 2. Ziffer – Schnittfestigkeit (Coupe-Test, älteres Prüfverfahren)
  • 3. Ziffer – Weiterreissfestigkeit
  • 4. Ziffer – Durchstichfestigkeit

Seit der Revision EN 388:2016 kommt bei Materialien, die den älteren Coupe-Test nicht zuverlässig abbilden können, zusätzlich ein Buchstabe von A bis F hinzu, der die Schnittfestigkeit nach dem präziseren TDM-Test (EN ISO 13997) angibt – A steht für die niedrigste, F für die höchste geprüfte Schnittfestigkeitsstufe. Optional folgt ein „P", wenn der Handschuh zusätzlich eine Prüfung auf Schlagschutz bestanden hat. Diese Kennzeichnung macht Schutzhandschuhe verschiedener Hersteller vergleichbar – vorausgesetzt, man kennt ihre Bedeutung. Ein Handschuh mit der Kennzeichnung „4X42D" etwa steht für hohe Abriebfestigkeit (4), nicht klassifizierte Schnittfestigkeit im alten Coupe-Test (X, weil das Material den Test verfälscht), mittlere Weiterreissfestigkeit (4), mittlere Durchstichfestigkeit (2) und eine hohe Schnittfestigkeit der Klasse D im präziseren TDM-Test. Je höher die Ziffern beziehungsweise je weiter hinten der Buchstabe im Alphabet, desto höher die geprüfte Schutzwirkung – die passende Stufe richtet sich wiederum nach der Gefährdungsbeurteilung der Tätigkeit, nicht nach dem höchstmöglichen Wert. In der EU und der Schweiz ist die Einstufung von Schutzhandschuhen als PSA Teil der PSA-Verordnung (EU) 2016/425 beziehungsweise der entsprechenden Schweizer PSA-Bestimmungen; die SUVA verweist bei der Beschaffung von Handschutz auf dieselben europäischen Normen.

Die Schnittschutzhandschuhe Max Protect sind laut Hersteller nach EN 388:2016 geprüft und für mechanische Risiken zertifiziert. Das Schnittschutz-Trägergewebe besteht aus einer Kombination von HDPE, Lycra und Glasfaser, ergänzt durch eine teilgetauchte PU-Beschichtung auf der Innenhand für Grip und Abriebfestigkeit sowie einen nahtlosen Feinstrick für Tragekomfort. Laut Hersteller eignen sie sich für Montagearbeiten, Metallverarbeitung, Handwerk und die Glasindustrie – also Tätigkeiten, bei denen sowohl Schnittschutz als auch gutes Tastgefühl gefragt sind. Die konkreten Zahlen- und Buchstabenwerte der EN-388-Klassifizierung dieses Produkts sind der Produktbeschreibung nicht zu entnehmen; massgeblich ist das Datenblatt beziehungsweise die Kennzeichnung auf dem Produkt selbst.

Wo Handschutz an seine Grenzen stösst

So wichtig geeigneter Handschutz ist – er hat auch klare Grenzen, die in der betrieblichen Praxis oft übersehen werden. Besteht die Gefahr, von rotierenden Maschinenteilen erfasst zu werden, etwa an offenen Bohr-, Fräs- oder Drehmaschinen, ist das Tragen von Handschuhen nicht erlaubt: Ein Handschuh, der sich in der Spindel verfängt, zieht die Hand mit sich und verursacht dadurch schwerere Verletzungen, als ein ungeschützter Griff verursachen würde. Diese Einschränkung muss Teil jeder Gefährdungsbeurteilung sein, in der sowohl Schnitt- als auch Erfassungsrisiken vorkommen. Ebenso gilt: Ein Handschuh schützt nur vor den Gefahren, für die er geprüft und ausgewiesen ist – ein Grip-Handschuh ohne Schnittschutz-Zertifizierung bietet bei einer scharfen Kante keinen verlässlichen Schutz, unabhängig davon, wie robust er sich anfühlt.

Eine weitere, oft unterschätzte Grenze betrifft die Haut selbst: Wer Handschuhe über lange Zeiträume ununterbrochen trägt, riskiert durch Feuchtigkeitsstau und mangelnden Luftaustausch Hautreizungen und -schäden. Regelmässige Tragepausen und ein an die Tätigkeit angepasster Hautschutzplan gehören deshalb ebenso zur PSA-Praxis wie die Auswahl des richtigen Handschuhtyps. Handschutz ist damit kein Freibrief für beliebig lange, ununterbrochene Tragezeiten, sondern ein Baustein neben organisatorischen Massnahmen.

Schutzkleidung: Einweg-Schutzanzüge für Stäube und Spritzer

Neben Handschutz gehört Schutzkleidung zur PSA-Grundausstattung, sobald Kleidung selbst mit Stäuben, Partikeln oder Flüssigkeitsspritzern in Kontakt kommt – etwa bei Reinigungs-, Beschichtungs- oder Spritzarbeiten. Der 3M™ Schutzanzug 4510 ist ein leichter, antistatischer Einweg-Schutzanzug aus mikroporös beschichtetem, fusselarmem Spinnvliespolypropylen mit zusätzlicher Polyethylenlaminat-Schicht. Laut eigener Produktbeschreibung bietet er Schutz vor Stäuben und Spritzern und eignet sich für Reinigungs-, Beschichtungs- und Spritzarbeiten. Nach Angaben des Herstellers 3M im offiziellen Datenblatt zu diesem Modell ist der Anzug als Typ 5 nach EN ISO 13982-1 (Schutz gegen feste Partikel) und Typ 6 nach EN 13034 (Schutz gegen begrenzten Flüssigkeitskontakt beziehungsweise leichten Spritzschutz) eingestuft. Diese beiden Typklassen sind keine Aussage über Chemikalienbeständigkeit im engeren Sinn, sondern über den Schutz vor Partikeln beziehungsweise vor begrenztem, nicht drucksatztem Flüssigkeitskontakt – für den Umgang mit aggressiven Chemikalien oder unter Druck stehenden Flüssigkeiten sind andere Schutzanzug-Kategorien erforderlich.

Die beiden weiteren Materialeigenschaften – antistatische Ausrüstung und geringe Fusselabgabe – haben jeweils einen eigenen praktischen Hintergrund: Antistatisches Material verhindert die Aufladung des Anzugs, was insbesondere bei Arbeiten in staubbelasteter oder brennbarer Umgebung sowie in der Nähe empfindlicher Elektronik relevant ist. Ein fusselarmes Material wiederum verhindert, dass Fasern aus der Schutzkleidung selbst die frisch gereinigte, beschichtete oder lackierte Oberfläche verunreinigen, an der gerade gearbeitet wird – ein Qualitätsmerkmal, das direkt auf die im Produkt genannten Einsatzbereiche Reinigung und Beschichtung einzahlt.

Zusammenspiel mit übriger PSA

Handschutz und Schutzkleidung entfalten ihre Wirkung meist erst im Zusammenspiel mit weiterer persönlicher Schutzausrüstung. Bei Schleif-, Trenn- oder Bohrarbeiten gehört Augenschutz gegen Splitter und Späne dazu; welche Schutzbrillen-Bauform für welche Tätigkeit passt, erklärt der Beitrag Schutzbrillen-Normen im Überblick. Beim Schweissen gelten wiederum eigene Anforderungen an Handschuhe und Schutzkleidung, die hitze- und funkenbeständig statt in erster Linie schnittfest sein müssen – dazu im Detail der Beitrag Schweisserhelm mit Automatik-Filter. Die hier vorgestellten Produkte sind für den allgemeinen mechanischen Einsatzbereich gedacht, nicht für den Schweissarbeitsplatz.

Typische Anwendungsbereiche

  • Montage und Maschinenbau: Grip-Handschuhe für allgemeine Montagearbeiten, Schnittschutzhandschuhe bei scharfkantigen Bauteilen oder Blechen.
  • Metallverarbeitung und Werkstatt: Schnittschutz nach EN 388 bei Zuschnitt-, Entgrat- und Handhabungsarbeiten an Metallteilen.
  • Instandhaltung: Wechselnde Tätigkeiten erfordern situativ unterschiedlichen Handschutz – von Grip-Handschuhen bei Montagearbeiten bis zu Schnittschutz bei der Arbeit an offenen Blechkanten.
  • Reinigung, Beschichtung und Spritzarbeiten: Einweg-Schutzanzüge wie der 3M 4510 schützen Kleidung und Haut vor Stäuben und Spritzern.
  • Bauwesen: Kombination aus Handschutz, Schutzkleidung und weiterer PSA je nach Gewerk und Tätigkeit vor Ort.

Typische Auswahlfehler

  • Grip-Handschuh statt Schnittschutzhandschuh: Ein Komfort-Handschuh ohne EN-388-Zertifizierung wird bei tatsächlichem Schnittrisiko eingesetzt und bietet keinen verlässlichen Schutz.
  • Handschuhe an rotierenden Maschinen: Trotz Erfassungsgefahr werden Handschuhe getragen, obwohl die Gefährdungsbeurteilung sie an dieser Stelle ausschliessen sollte.
  • Falsche Schutzanzug-Kategorie: Ein Typ-5/6-Anzug für Stäube und leichte Spritzer wird für Aufgaben mit aggressiveren Chemikalien oder unter Druck stehenden Flüssigkeiten eingesetzt, für die er nicht ausgelegt ist.
  • Handschuhe im Umgang mit Flüssigkeiten trotz Herstellerhinweis: Ein laut Hersteller nicht flüssigkeitsdichter Handschuh wird dennoch für Nass- oder Reinigungsarbeiten verwendet.
  • PSA ohne Bezug zur Gefährdungsbeurteilung beschafft: Handschutz und Schutzkleidung werden nach Verfügbarkeit statt nach tatsächlichem Risiko der Tätigkeit ausgewählt.

Auswahlkriterien beim Einkauf

  • Gefährdungsbeurteilung zuerst: Welche mechanischen, thermischen oder chemischen Risiken bestehen bei der konkreten Tätigkeit tatsächlich?
  • Passende Zertifizierung statt Bauchgefühl: Bei Schnittrisiko eine EN-388-Kennzeichnung mit ausreichender Schnittfestigkeitsstufe verlangen, nicht nur „robust wirkende" Handschuhe.
  • Herstellerhinweise zu Einsatzgrenzen lesen: Angaben wie „nicht flüssigkeitsdicht" oder eine bestimmte Typklasse bei Schutzkleidung sind Teil der Produktinformation, nicht nur Kleingedrucktes.
  • Tragekomfort einplanen: Ein Handschuh oder Anzug, der wegen mangelnden Komforts abgelegt wird, schützt in diesem Moment nicht mehr – Passform und Atmungsaktivität sind deshalb Teil der Sicherheitsentscheidung.
  • Verbrauchsmaterial regelmässig ersetzen: Einweg-Schutzanzüge sind für den einmaligen beziehungsweise kurzfristigen Einsatz konzipiert, auch Handschuhe verlieren mit Verschleiss ihre geprüfte Schutzwirkung.

Kaufberatung: Handschutz und Schutzkleidung richtig zuordnen

Ausgangspunkt jeder Beschaffungsentscheidung ist die Gefährdungsbeurteilung der jeweiligen Tätigkeit, nicht der Preis oder die Verfügbarkeit im Lager. Für allgemeine Montage- und Handhabungsarbeiten ohne Schnittrisiko genügt ein beschichteter Grip-Handschuh; sobald scharfe Kanten, Bleche oder ähnliche mechanische Risiken im Spiel sind, ist ein nach EN 388 zertifizierter Schnittschutzhandschuh die richtige Wahl – wobei die Kennzeichnung aus vier Ziffern, optionalem Buchstaben und optionalem „P" Aufschluss über die tatsächliche Schutzstufe gibt. Für Reinigungs-, Beschichtungs- und Spritzarbeiten kommt ergänzend ein Einweg-Schutzanzug der passenden Typklasse zum Einsatz. Wichtig bleibt in jedem Fall die Erinnerung an die Grenzen der jeweiligen PSA: Handschuhe schützen nicht vor Erfassung durch rotierende Maschinenteile, und ein Schutzanzug für Stäube und leichte Spritzer ersetzt keine Chemikalienschutzkleidung für aggressivere Stoffe. Das vollständige Sortiment an Arbeitsschutzprodukten – von Handschutz über Schutzkleidung bis zu Augen- und Kopfschutz – steht für die Beschaffung nach diesen Kriterien zur Verfügung.